Hiking Quicky in Ontario

Unser Stopp im Pukaskwa National Park ist eine ziemlich spontane Sache. Wir folgen dem Tipp eines super netten Kanadiers, mit dem wir an unserem wunderschönen, wilden Campspot direkt am Lake Superior schnacken.
Der Blick von unserem Campspot:

Im Nationalpark angekommen entscheiden wir uns für eine 2-tägige Wanderung, weil für genau einen Tag (also morgen) ein Bombenwetter vorhergesagt ist. Für übermorgen ist Regen vorhergesagt, der Weltuntergangsgefühle hervorruft: 70mm Regen in einer Nacht. Da sieht man vor dem inneren Auge schon recht lebhaft das Zelt samt Inhalt davonschwimmen.

Ein Teil unseres Wanderweges ist erst letztes Jahr angelegt worden, und genauso fühlt es sich auch an. Es gibt noch keine ausgetretenen Wege auf diesem Abschnitt, eher das Gegenteil. In Teilen müssen wir uns ziemlich konzentrieren, um den Weg, der durch Steinmännchen und kleine Flatterbänder markiert ist, nicht zu verlieren. Manchmal wird es ziemlich unwegsam, es geht unerwartet steil hoch oder steil runter, gefühlt immer im Zickzack, über Felsen, durch eine kleine Schlucht hindurch und vor allem fast die ganze Zeit durch zwar nicht besonders alten, aber trotzdem ziemlich wilden Wald. Vorbei an Pilzen in allen Farben und Formen, Flechten, Moosen und vielen, vielen Steinen, Felsen und Baumwurzeln. Uns gefällt das richtig, richtig gut...

Wie oft sind wir nicht besonders schnell unterwegs, diesmal hat es noch einen zusätzlichen Grund: It’s blueberry time!!!  Unverschämt viele Beeren lachen uns unverschämt verführerisch an! Daran können wir unmöglich vorbei gehen…

Laut einer Broschüre gibt Wölfe, Bären und Elche in diesem Gebiet und trotzdem wir nix zu Gesicht bekommen, sind wir uns ziemlich sicher, dass wir ausgiebig beobachtet wurden…

Nur auf einem kleinen Abschnitt gibt es Blicke auf den Lake Superior, die sind dann aber umso grandioser.

Ein richtiger Knaller sind die Campspots. Sie sind winzig, liegen direkt am Lake (der sich eher wie ein Meer anfühlt) und bieten nur sehr wenigen Zelten Platz (je 1-2 Plätze auf den insgesamt 3 Campspot!!).

Auf unserem Platz sind wir komplett allein und unterwegs treffen wir kaum andere Menschen. Saugeil, anders kann ich es nicht sagen. Der Campspot liegt in einer wunderbaren Bucht und wir erfreuen uns an 2 "Privatstränden".

Hike Pukaskwa NP, day 2, ON 310818_049

Die Stimmung ist erhebend & friedlich und führt zusammen mit den Wegen, auf denen man sich sehr konzentrieren muss zu etwas, was mir sonst die Yogapraxis bietet: Der ganze mentale Kram, mit dem ich seit Tagen zu tun habe, versinkt irgendwo im Lake Superior. All die Zweifel, wie es nach der Reise weitergeht, ob wir hier überhaupt das „Richtige“ tun, meine Wut darüber, dass ich gerade zu wenig leiste (also bezahlt arbeite) und trotzdem völlig k.o. bin, werden leiser. Ich spüre endlich wieder das Gefühl von Vertrauen, dass sich immer wieder Türen öffnen werden, wo andere zugefallen sind. Vertrauen, dass Mut belohnt wird und dass die Erlebnisse dieser Reise und die persönliche Entwicklung jeden Preis rechtfertigen. Vertrauen, dass ich mit allen Herausforderungen, die das Leben zu bieten hat, klarkommen werde. Wenn sich dieses Gefühl einstellt, ist es ein Wunder. Wenn es sich nicht einstellt, ist es zäh und zermürbend. Solche Tage hatte ich so einige auf der Reise. Genau wie die Tage danach, an denen ich erstarkt wieder auferstehe 😊

Wegen des strahlenden Sonnenscheins nehmen wir uns am ersten Tag den längeren Abschnitt vor, was eine wahnsinnig schlaue Entscheidung ist. Am zweiten Tag fängt es bei Km 4 an zu schütten wie aus Eimern – der Regen wartet also gar nicht bis zur Nacht… Und hier sei nochmal drauf hingewiesen, dass wir nicht in eine Wohnung zurückfahren, in der wir dann all unser Equipment ausbreiten, trocknen und säubern können. Nö, die nassen Rucksäcke samt nassem Inhalt aus dem Deckelfach (wir haben unsere Regenüberzüge vergessen – was uns nie wieder passieren wird), Wanderschuhe, Trekkingstöcke, Regenjacken, Regenhosen, Handschuhe & Caps von zwei Personen müssen wir in unserem überschaubar großen Bus trocknen. Hört sich genauso scheiße an, wie es ist… Deswegen gibt's für die gute Laune ein Sonnenbild 🙂

Anfang September 2018, genau nachdem wir zurück sind, schließt der Park. Die Zugangstrasse und der Campingplatz direkt am Visitor Center sollen verbreitert werden, damit auch die großen, nordamerikanischen Camper ihren Weg hierher finden. Schade…

Abschließend werden wir von einem Ranger nach unserer Meinung zur Wanderung gefragt und ich schaue in sein erleichtertes, strahlendes Gesicht, als ich begeistert von der Wildheit der Wege schwärme. Genau diese Wildheit wird dem Park vorgeworfen, erzählt er… Na, da kann man für die Zukunft ja die Daumen drücken…

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